Das Jawort

(siehe auch: Geschenke zum Standesamt, Geschenke zur Trauung)

Bis dass der Tod uns scheidet!

Das Jawort

Dich hätt' ich vergeben, kleine Rechte!
Die so lang der Schlinge sich erwehrt?
Und verschenket meine Tag' und Nächte,
Die bisher nur mir allein gehört?

Zwar den Lorbeer soll mir nichts entführen,
Den Apoll um meine Locken wand;
Doch den Myrtenkranz soll ich verliehren -
Und verändern soll ich Nahm' und Stand.

Und an diesem feyerlichen Tage,
Dessen Plan voll Leid und Freuden liegt:
(Zwischen beyden schwanket stets die Waage -
Ob die Lust gleich öfter überwiegt.)




Muß ich mich in bunten Tänzen drehen -
Da schon jetzo meine Wange strahlt.
Wird bey niemand wohl Verdacht entstehen,
Daß sie Männerkuß so roth gemahlt?

Ach wann Lichter Glanz um mich verbreiten,
Muß mein Lieber über Berg und Thal,
Ganz allein durch kaltes Dunkel reiten -
So wie jetzt durch Staub und Sonnenstrahl.

Doch schlägt froh sein Herz, denn seine Liebe
Warb ihm heute mein verschämtes Ja.
Seine Wünsche – kaum noch bang und trübe -
Sind gewährt, und die Erfüllung nah.

Denk, o Lieber! denk an diese Stunde,
Wenn dich Zukunft etwa kälter macht,
Wo dieß Wort aus deines Mädchens Munde
Dir Entzückung ohne Maas gebracht.

Lebenslang will ich des Tags gedenken!
Feste stell' ich ihm zu Ehren an!
Dankend will ich ihm oft Lieder schenken,
Diesem Tag, wo unser Glück begann!
Magdalene Philippine Engelhard, 1780

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